Elbrus 2018

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Der Elbrus – höchster Berg Russlands und je nach Definition der innereurasischen Grenze auch der höchste Berg Europas.

Elbrus Doppelgipfel (Westgipfel 5642 m, Ostgipfel Höhe 5621
Irgendwie wusste ich schon vor meinem 30. Geburtstag, dass meine liebe Familie sowas in der Art mit mir vorhaben würde. Am Ende war es nicht irgendwas, sondern mal eine ganz neue Bergerfahrung, die ich konditionell sicher etwas unterschätzt hatte, welche aber auf jeden Fall nach Wiederholung schreit =)
Das ganze begann Mitte August dieses Jahres nach einer Nacht mit Busfahren – Fliegen – Warten – Fliegen und wieder Busfahren.
Startpunkt der Tour war der Ort Terskol, zu Fuße des Aussichtsberges Cheget. Im Winter wird hier Ski gefahren, im Sommer wirkt es etwas ruhiger und an jeder Ecke wird Schaschlik gegrillt. Die Marktbuden erinnern eher an die grenznahen Vietnamesenmärkte bei uns in der Nähe, statt Gartenzwergen gibts Matroschkas und Eingelegtes 😉
Terskol (2.100m) mit Elbrus
Fleischgrill
Eingelegtes von der Omma
Die ersten beiden Tage waren entspannt, wir schaukelten mit der Seilbahn zum Cheget auf 3.000 m. Nach kurzer Rast an der Bergstation stiefelten wir wieder runter ins Tal, das Wetter war uns hier noch nicht so gnädig und lies keinen Blick zum Elbrus zu.. Unser Guid war Andrey aus Moskau, ein sehr witziger und erfahrender Guid der sich vor der Tour für jeden Teilnehmer Zeit nahm, um nochmal die Ausrüstung zu checken. Für uns alte Bergsteigerossis natürlich kein Problem 😉 Mit jeder Menge Kartons, voll mit Essen und Trinken für die kommenden Tage ging es zur Seilbahnstation – welche uns von knapp 2.100 m direkt bis zum Basislager auf etwa 3.700m brachte.
donguzorun
Eingehtour
Im Basislager
Von nun an lebte es sich wie in einer Sardinendose, zu 4. auf etwa 10 m² und nem kleinen Ölradiator – für diese Höhe jedoch ziemlich Komfortabel wie ich finde. Nachdem wir am ersten Tag im Basecamp eingezogen waren, ging es gleich am Nachmittag bis zum Anfang der pastukhov-Felsen auf etwa 4.200m. Der enorme Höhenunterschied des gesamtes Tages machte sich dann Abends in unserem blauen Container bemerkbar. Kopfschmerzen und der peitschende Wind wollten nicht aufhören..
Auf das Frühstück am nächsten Morgen hatte ich auch nicht so recht Appetit…war wohl bissl viel am Tag zuvor. Doch nach ein paar Happen ging es dann und wir starteten den gleichen Weg wie am Tag zuvor und dazu noch etwas höher bis fast zum Ende der pastukhov-Felsen auf 4.700m. Diesen Weg würden wir am Gipfeltag nochmal gehen, dann aber etwas schneller durch den harten Schnee in der Nacht. Wer darauf keine Lust hat, konnte sich dann mit einer Pisteraupe bis zu dieser Stelle fahren lassen und sich 3h bergauf laufen ersparen – und damit die Gipfelchance erhöhen.
Eingehtour die 2.

 

Da das Wetter in diesen Tagen wirklich super war, gönnten wir uns noch einen Tag zum ausruhen und Fotos machen. Andrey machte noch einen Exkurs in die Sicherungs- und Sturzwelt beim Höhenbergsteigen und dann schauten wir uns die alten Botschkis weiter unten an. Dann wurde der Rucksack für den Gipfeltag gepackt und nochmal besprochen, wer den “Lift” am Gipfeltag nutzen möchte. Nach einem zeitigen Abendbrot ging es ab ins Bett..

 

 

Das Schlaflager
Elbrus in der Nacht
Start zum Gipfel
Start am Gipfeltag war etwa gegen 01:00 in der Nacht – es war nahezu windstill und wir trotteten den altbekannten Weg gen oben. Nur wenige Stirnlampen leuchteten auf der riesigen Schneerampe vor uns. Bei jedem Schritt knarrte das Eis unter den Steigeisen, jeder läuft in seinem eigenen “Tunnel” und hofft das endlich die Sonne aufgeht. Pünktlich um 04:30 trafen wir die nachkommende Truppe der Raupenfahrer am Ende der pastukhov-Felsen. Ich hätte nie gedacht das wir so schnell hier hochlaufen. Die aufgehende Sonne ließ jede Anstrengung vergessen – das tiefe Licht und die umliegenden Berge waren der Hammer. Jetzt war es aber auch gefühlt am kältesten, ich hatte die dickste Daunenjacke an und zum Glück noch Daunenhandschuhe bekommen – Danke Katrin;)
Sonnenaufgang am Gipfeltag
Uns ging es allen gut, ein schluck heißer Tee und nach einer weiteren Stunde bergauf kamen wir auf etwa 5.000m an der Traverse an – auf welcher wir uns richtung Sattel zwischen dem Ost- und Westgipfel bewegten. Dieser Weg ging nur seicht bergan, doch nahm gefühl kein Ende.
Schritt für Schritt nach oben
Dick eingepackt
Die Traverse zum Sattel
Am Ende der Traverse war ich dann ziemlich fertig, ich konnte mich kurzzeitig kaum noch motivieren weiter zu gehen. Daher haben wir den Rucksack dort gelassen und sind das letzte Steilstück an Fixseilen noch bis zum Gipfel gekommen. Jehaaaa, 09:00 Gipfel. Wir haben es geschafft – alle sind hoch gekommen. Überglücklich und mit schweren Beinen ging es nun den ganzen Weg wieder runter – so ganz klar denken konnte ich da irgendwie nicht mehr. Besonders das runtergehen empfand ich als sehr anstrengend, ich war verdammt müde…
das letzte Steilstück am Fixseil
Nanne kurz vor dem Gipfel
Die blauen Schlafcontainer
Doch irgendwie schleppten wir uns dann alle wieder in die blauen Sardinenbüchsen zurück und feierten den Gipfelsieg am nächsten Tag mit Vodka und herrschaftlichem Essen =)
Gipfelsieg (Foto Frank Nimsch)
Eine wirklich beeindruckende Reise. Alle Fotos dazu gibt es HIER:
Bilder